Freitag 31. August 2007 - noch 28 Tage
Rawhide in "a" und hallo zusammen,
auf unserer Blog-Seite "Trapperpfade deLuxe" hat sich ja eine ganze Weile nix getan. Heute ist schon wieder Todestag einer berühmten Persönlichkeit, Lady Diana ist heute vor 10 Jahren bei einen Autounfall in Paris gestorben. Elvis, Diana ... wann ist nochmal Falco gestorben?
Ok, das Leben geht weiter und unser Tagebuch ebenso. Mein Mitstreiter und Wanderkumpel „Zorro“ hat mir versprochen in den nächsten Tagen eine kleine Kolumne über dieses Tagebuch, unsere gemeinsamen Aktivitäten und sonstige Gedankengänge ins Leben zu rufen und mit völlig abstrusen Beiträgen zu füllen. Wir können gespannt sein und freuen uns sehr darauf… Ich weiß nämlich von völlig schrägen Seminaren die Zorro in letzter Zeit besucht hat. Vielleicht lässt er uns ein wenig daran teilhaben.
Ich für meinen Teil bin im Moment sehr mit den Vorbereitungen für unsere Expedition beschäftigt, so dass ich einfach nicht täglich zum schreiben komme. Ich entschuldige mich hierfür aufrichtig und gelobe Besserung. Des Weiteren war ich die letzten Wochen mit meiner LINEDANCE Gruppe „POTO“ – was soviel heißt wie: „Pony Over The Ocean“ auf einer großen Sachsen-Anhalt Tournee. Diese haben wir erfolgreich beendet und freuen uns sehr darüber. Aber zurück zum eigentlichen Thema und die Vorbereitungen unserer Tour. Es sind jetzt nunmehr nur noch 28 Tage bis zum Start unserer Western - Harzexpedition. Die Wettervorhersagen für Oktober lassen echt zu wünschen übrig. Ich habe mich daher entschlossen mir ein nietennagelneues OTP zuzulegen (Outdoor-Travel-Pack). Dazu habe ich mir einen neuen Thermoschlafsack (bis minus 13°C), eine fantastischen neue Isolationsmatte (1,5cm dick) und einen pseudoelektrothermalen Heizapparat bei der Firme Globetrotter in Hamburg bestellt. Diese Sachen habe ich auch schon Testweise ausprobiert indem ich seit zwei Tagen im Keller, bei geöffnetem Fenster und Gefriertruhe übernacht habe. Meine Erfahrungen sind gemischter Natur. Durch den extrem Lärm verursachenden Kompressor der Kühltruhe bin ich gar nicht zum schlafen gekommen, gefroren habe ich aber nicht. Dafür brauche ich jetzt mindestens 12 Schlaf den ich jetzt mal nachholen werde…
Schönes Wochenende und bis die Tage...
"YEEHAW" - Euer William „Eytsch“ Bunny

IWdT: Jeden Tag ist irgendein Todestag, drum geniesse das LEBEN!
Mittwoch/Donnerstag 29./30. August 2007
Hallo... lange nicht hiergewesen, aber mein Freund Zorro auch nicht!
ZORRO, ich hoffe es geht dir nach der wilden Schiesserei im Saloon trotzdem gut. Ich erwarte bis zum Wochenende eine genaue Beschreibung der Vorkommnisse.

IWdT: Mann muss ja nicht jeden Tag schreiben
Donnerstag, 16. August 2007 - 43 Tage
Bin heut Nacht ca. dreizehn Mal aufgewacht, weil es tierisch gewittert hat. Mein erster Gedanke war: „Oh Gott, wenn es im Oktober auch so regnet und so kalt ist…“ Werde mir ernsthaft etwas überlegen müssen, damit ich mir dort nicht den Arsch abfriere. Schaue heut mal im Internet bei „Globetrotter“ nach geeigneter Winterausrüstung. Heute ist auch der 30ste Todestag von Elvis. Echt tragisch, dass so ein genialer Rock ’n ’Roller so früher sterben musste. Elvis ist und bleibt eine LEGENDE. ”Love me tender“, ”Can't Help Falling In Love”, “In The Ghetto” und “Suspicious Minds”, das sind schon richtige Knaller der Musikgeschichte. Werde heut Abend mal die „Best Of - CD“ einlegen und einen auf den ’KING’ trinken.

Hier ein paar Zitate:
„Ohne Elvis hätte es die Beatles nicht gegeben.“ – John Lennon

„Wann immer es mir schlecht ging, legte ich eine Elvis-Platte auf, und dann fühlte ich mich großartig.“ – Paul McCartney

„Ich liebe dich Elvis - ohne Elvis bist du nichts.“ – Madonna

„Es hat Anwärter auf den Thron gegeben, es hat Herausforderer gegeben. Aber es gibt nur einen König. Alles beginnt und endet mit ihm.“ – Bruce Springsteen

„Ich glaube, dass Elvis Presley ein Genie war.“ – Bono

„Niemand kann ermessen, wie wichtig sein Einfluss war und wie groß die Leere ist, die er hinterlässt. “ – Frank Sinatra

„Ohne Elvis hätte es keiner von uns geschafft!“ – Buddy Holly

„Elvis ist der größte Blues-Sänger der Welt!“ – Joe Cocker

„Elvis hat ein Lied von mir aufgenommen; das ist die Aufnahme, die ich am meisten schätze!“ – Bob Dylan

„Elvis war der größte Entertainer, der je gelebt hat.“ – Eddie Murphy

„Der Tod Elvis Presleys raubt unserem Land einen Teil seines Selbst. Seine Musik und seine Persönlichkeit, die den Stil weißer Country-Musik und des schwarzen Rythm-and-Blues zusammenschweißten, haben das Gesicht der populären Kultur Amerikas für immer verändert. Seine Gefolgschaft war unübersehbar und für Menschen in aller Welt war er ein Symbol für die Vitalität, den rebellischen Geist und den Humor unseres Landes!“ – Jimmy Carter, 39. Präsident der USA

Zum Thema ELVIS fällt mir noch ein großartiger Dialog aus dem Film „True Romance“ (die 18er Version ist mein Lieblingsfilm) ein. Christian Slater als 'Clarence Worley' sitzt in einer vermieften Bar und quatscht mit einer volltrunkenen Lady
Er: „…Elvis sah in dem Film besser aus als die meisten Frauen… (es geht um den Film: „Jailhouse Rock“) ...Ich meine: ER war Rockebilly… er musste nur abrocken was die Nieten hergaben und ne wunderschöne Leiche abgeben… Wenn ich je 'nen Typen knallen müsste, also nicht das ich schwul bin oder so, aber wenn ich je mit nem Typen ins Bett müsste, also wenn mein Leben davon abhinge, dann würde ich Elvis vögeln.
Sie: „Mit Elvis würde ich auch vögeln.“
Er: „Wir würden also beide mit Elvis vögeln, schön jemanden zu treffen, der die gleichen Interessen hat.
Er: „Soviel zum King und was ist mit dir?“

Sie: „Was soll denn mit mir sein?“
Er: „Was machst du denn heut noch?“
Sie: „Keine Ahnung“
Er: „Hast du Lust mit mir ins Kino zu gehen?“
Sie: „Was wollen wir uns denn ansehen?“
Er: „Sonny Chiba - Dreifachvorstellung. „Streetfighter“, „Die Rückkehr des Streetfighter“ und „Die Schwester vom Streetfighter“…
Sie:
„Wer ist Sunny Chiba?
Er:
„Du kennst Sunny Chiba nicht? Das ist einer der besten Darsteller in asiatischen Kampfsportfilmen.
Sie: „Du willst mit mir in einen KungFu-Film gehen?“
Er: „Nicht in EINEN KungFu Film……. in 3!“
Sie: „Ich glaub das ist nix für ne Lady wie mich…" steht auf, wankt von der Theke aus der Bar...

Großartig! Eigentlich dachte ich auch, dass Elvis gar nicht Tod ist, sondern auf einer Insel mit Falco und Lady Diana lebt. Hm, das muss ich wohl noch mal recherchieren.

Hatte heute vorerst meinen letzten Tag auf der Arbeit. Mache ab jetzt für ’nen Monat einen auf „Papa“ und nehme Elternzeit. Dank Ursula von der Leyen (die im Übrigen aus Lehrte kommt und eine Abiturdurchschnittsnote von 0,8 hatte – geht das überhaupt?) kann man jetzt sogar zwei Monate als Vater zu Hause bleiben. Mal sehn wie mir das bekommt. Und noch etwas wissenswertes über UvdL, nämlich das Thema ihrer Doktorarbeit: „C-reaktives Protein als diagnostischer Parameter zur Erfassung eines Amnioninfektionssyndroms bei vorzeitigem Blasensprung und therapeutischem Entspannungsbad in der Geburtsvorbereitung.“ Aahja!

IWdT: „Der King of Rock ist Tod und mir ist auch schon ganz schlecht.“

Kurzer Nachtrag: morgen kommt die „Rothaut“ samt seiner Indianerfamilie aus Italien wieder. Hoffe der lange nach Track nach Norden geht unbeschadet von statten. Habe von feindlich gestimmten Stämmen in der Gegend um München gehört… wünschen meinen Freunden alles Gute.
Mittwoch, 15. August 2007 - 44 Tage
morgens - Gestern Nachmittag hatte ich noch mal in Pullman City angerufen. Und siehe da, diese dummen Zoni’s haben doch tatsächlich meine Tipi- Reservierung verbummelt. Ich sag’s ja: „Westernstadt im Osten“, das kann doch gar nicht funktionieren. Jedenfalls ist unser Tipi nun hoffentlich endgültig gebucht. Die Frau am Telefon war auch schon wieder so komisch. Nicht unfreundlich, nur komisch. Zuerst konnte sie meine Reservierung in Ihren Unterlagen nicht finden (kein Wunder, denn die Reservierungen für „TIPI“ sind in einem so genannten „Extrabuch“), dann fragte sie mich ob der 29./30. September wirklich das richtige Datum sei. Was soll das? Schläft um diese Jahreszeit etwa sonst niemand in einem Tipi? Wie kommt das denn? Warum machen wir dann so was? Ich musste auch meinen Namen dreimal buchstabieren. Hätte wohl doch nicht als William H. Bonney reservieren sollen. Was soll’s, jetzt gibt es kein zurück mehr. Habe dann auch noch mal explizit nach einem freien Hotelzimmer gefragt, aber es war nichts zu machen. Wir müssen ins TiPi, basta! Also werden wir wohl das „Zelt in Zelt – System“ revolutionieren müssen. In den nächsten Tagen wird auch hoffentlich unsere Buchungsbestätigung zu Hause eintrudeln…

nachmittags - Bingo! Ich war grad am Briefkasten und die Bestätigung aus Pullman ist schon da. Das ging ja dann doch schnell. Also Tipi ist gebongt und bestätigt. Kostet demnach 25,- € + Eintritt + 50 € Kaution (hoffentlich nehmen sie auch US-Dollar bzw. Felle). Sehr amüsant finde ich übrigens die Campregeln, werde mal ein Exemplar als pdf beifügen. Ansonsten habe ich heut nicht mehr viel gemacht. Habe noch mal die Boss Hoss und diverse andere Western und Country - Songs angehört. Da gibt es eine geile Melodie aus den Winnetou- Filmen, nämlich immer an der Stelle, wenn sich Winnetou und Old Shatterhand, wie zufällig in der Prärie treffen. Will mal versuchen das als Klingelton auf mein Handy zu laden. Immer wenn mein „roter“ Blutsbruder Axel (Zorro Zokolowski) anruft, klingelt es dann dementsprechend, das ist doch irgendwie cool, oder? Abends gab es noch das Champions League Qualifikation Spiel Werder Bremen gegen Dynamo Zagreb, Endstand 2:1 für Werder, nach miserabler Leistung in der ersten Halbzeit.

IWdT: „Werder ist mittlerweile wie Bayern, nur grün!“

Dienstag, 14. August 2007 / noch 45 Tage
Es sind heut noch genau 1½ Monate bis zum Tag X. Die Vorbereitungen für die Touren laufen so langsam an. Wir haben vorletzte Woche schon mal die Unterkünfte klar gemacht und vorab gebucht. Ist zwar irgendwie „spießig“ und nicht unbedingt „wildwest“, aber wir sind ja sowieso auf den ersten zwei dritteln der Wanderung so überhaupt gar keine Western-Scouts, sondern erst einmal „normale“ Wanderer, sozusagen Greenhorns. Wobei das Wort „normal“ in Bezug auf diese Reise zu hinterfragen ist. Ich habe also dieser Tage in der Westernstadt Pullmann City angerufen, um ein Doppelzimmer im Western Hotel zu bestellen. (quasi: das „best Western“, tolles Wortspiel aber das Ding heißt in Wirklichkeit „Grand Silver Star Hotel“, klingt toll) und siehe da: „Pustekuchen!“, „Kein Bett mehr frei“, lautete die Aussage der Squaw am anderen Ende der Leitung. „Wir haben hier an dem besagten Wochenende eine Veranstaltung –> Cowboy- und Whiskey - Night…,“ ( ach sieh mal an, das passt sich ja gut) „… kein Hotelbett, kein Ranchhaus, kein Hogan (Hogans sind auch so eine Art indianische Blockhütte),… nein, keine Chance im Saloon zu übernachten. Das einzige was ich Ihnen anbieten kann ist ein Tipi.“. Na prima, ein Tipi im Oktober, war mein erster Gedanke. Was nun? Nach mehrmaliger telefonischer Rücksprache mit meinen Wanderpartner Zorro Zolokowski (Axel) entschieden wir uns also für ein Tipi. Nützt ja nix, wir brauchen eine Bleibe für „unsere“ Cowboy- und Whiskeynacht. Für alle die nicht wissen was ein Tipi ist, erkläre ich es hier mal mit meinen Worten: „Ein nach allen Seiten (vermutlich) undichtes Indianerzelt, mit Blick auf den freien Himmel, damit der Rauch vom Lagerfeuer abziehen kann.“ Kurz bei Wikipedia nachgeschlagen heißt es dort:
Das Wort „Tipi“ setzt sich aus folgenden Sioux-Wörtern zusammen: Ti = Wohnung und Pi = geeignet/gebraucht/eingesetzt/verwendet für, zu, zum, zur. Tipi = zum Wohnen…

Aha! na da bin ich ja mal gespannt. Ich muss dazu sagen, die nette Dame aus PC (Pullmann City oder political correctness?) fragte mich gleich mehrmals, „ob wir das Tipi denn wirklich wollen? Frei haben wir genug, aber es ist nach oben offen, untenherum völlig ungeschützt und steht auf dem blanken Erdboden.“ „Ja klar, macht uns alles nix aus…“, war meine Antwort. Boah, das war voll gelogen! Untenherum völlig ungeschützt, find ich ja bei Frauen noch ganz cool, aber ich friere mir beim Gedanken daran im Oktober in einem Indianer-Tipi zu übernachten jetzt schon den Arsch weg. Welcher Teufel hat uns geritten so ein Tipi-Ding zu buchen. Ich habe in meinem Bett zu Hause sogar im Sommer die dicke Winterdecke aufgezogen, weil ich mich des Nachts manchmal frei strample und dann friere wie ein Schneider. Das kann ja heiter werden. Der Gedanke an schlotternde Nachtstunden auf unserer Wanderreise lassen mich nun die nächsten Tage nicht mehr los. Wie kann ich mich bloß warm halten? Whiskey trinken ohne Ende, ist eine Variante. Mir kommt auch irgendwann diese „Zelt in Zelt“ – Idee. Also habe ich sofort Axel angerufen und Ihm mein Plan unterbreitet. Er war sofort begeistert. „Es gäbe ja auch Rohr in Rohr oder Aug in Aug - Systeme“. Bei unserem Telefonat bat ich ihn dann eindringlich, sich umgehend um eine vernünftige Bleibe in „Drei Annen Hohne“ (unser eigentlich erstes Etappenziel) zu bemühen. Hoffentlich bekommen wir dort eine vernünftige Unterkunft. Nach zwei, drei kurzen Emails ist dann schnell klar, dass wir ein schönes Doppelzimmer mit Schwimmbadbenutzung für 50,-€ pro Person inkl. Frühstück bekommen. Das Hotel heißt „Drei Annen“ und ist wohl das einzige Hotel am Platze. Prima, das hat also geklappt. Brauchen wir nur noch das Lunchpaket für den kommenden Wandertag bestellen, aber das machen wir wohl vor Ort. Und nicht vergessen: Badehose!!!

Haben wir also nur noch das mit dem Indianer-Tipi vor der Brust… es will mir einfach nicht mehr aus dem Kopf. Es ist Oktober und ich schlafe in einem Tipi. Wenn das meine Krankenkasse wüsste. Ich zweifele wirklich, ob ich das alles so will. Zorro sagte zwar zu mir, ich solle mir keine Sorgen machen, aber so ganz Geheuer und Wohl ist mir bei der Sache nicht. Die Frau aus dem PC-Buchungscenter war jedenfalls guter Dinge und meinte, dass sie mir die Buchungsunterlagen in den nächsten Tagen zusenden wolle. Bis jetzt habe ich aber noch nicht bekommen. Glaube ich werde da nachher mal anrufen. Nicht das wir auf einmal doch in ein Hotelzimmer müssen…. Wäre ja echt schade, wenn wir nicht frieren müssten ;) Ich sollte vielleicht doch mal meine Schwester anrufen, ob sie noch diese Stoffstrumpfhosen trägt…

Des Weiteren mache ich mir in den letzten Tagen auch Gedanken über die Ausrüstungsgegenstände, die ich eventuell mitnehmen möchte. Ich sollte mal eine Liste erstellen mit allen Dingen, die man so braucht und vielleicht den Dingen die man nicht unbedingt braucht. Werde mich damit mal in den nächsten Tagen beschäftigen.
Was man in jedem Falle braucht sind zweifelsohne authentische Westernklamotten, wie Hut oder Weste, damit man den Eintritt in die Westernstadt frei hat. Außerdem ist es bestimmt lustiger dort in einer Art Tracht oder Verkleidung herum zulaufen, um mit den Einheimischen (locals) schneller in Kontakt zu kommen. Ich stelle mir ernsthaft die Frage, ob es in einer Westernstadt Einheimische gibt. Sind die dort ordentlich gemeldet? Wir wollen jedenfalls nicht nur als irgendwelche blöden Touristen wirken, sondern uns am Westernleben beteiligen (haha). Jedenfalls habe ich schon mal zwei hell- bis dunkelgraue Südstaaten-Filzhüte der Konföderierten Armee aus dem amerikanischen Bürgerkrieg (Sezessionskrieg von 1861 bis 1865) für uns geordert. Diese ausgezeichneten Teile haben relativ erschwingliche 18,- € pro Stück gekostet. Zorro hatte mir seine Hutgröße per transkontinentale Telegraphie mitgeteilt und ich hoffe, dass ihm seine Kappe auch passt. Wer hat denn auch schon Hutgröße 62+ ?. Hape Kerkeling hat es in seinem Buch „Ich bin dann mal weg“ genau beschrieben. Ein spanischer Hut Verkäufer sagte zu ihm (also zu HaPe), dass alle Deutschen so unnormal große Kopfe hätten, weil sie zuviel denken würden. Recht hat er. Wir denken zuviel, z.B. denke ich daran, ob man in einem Tipi in einer Oktobernacht sehr doll friert. Der Laden bei dem ich die Hütte im Internet bestellt habe, hat unsere Kopfbedeckungen auch umgehend geliefert und ich muss sagen:
„Meiner passt sehr gut… wie angegossen. Ich hab aufgehört zu denken!“
Frei nach HaPe's „Erkenntnis des Tages“ – nun die Indianerweißheit des Tages:

IWdT: „Hör auf zu denken, dann frierst du nachts zumindest nicht am Kopf!“

Montag, 13.August 2007 noch 46 Tage
Gut, gut... ok. Ich hab nun grad mal ein paar Minuten Zeit und werde mich jetzt mal daran setzen das geplante Reisetagebuch mit dem vorläufigen Arbeitstitel:

„Auf dem Hexenstieg nach Pullman City"

zu beginnen. Es gibt da noch einen alternativen Arbeitstitel, unter dem auch der geplante I-Netauftritt läuft, aber dazu später mehr. Axel (mein Wander- und Westernfreund) weilt derzeit noch mit seiner Familie in bella Italia und wird in den nächsten Tagen zurück erwartet. Bis dahin werde ich mal die Schreibfeder in die Hand nehmen und ein paar hirnlose Sätze niederschreiben.
Es wird also gewandert, erwähnte ich ja bereits. Klingt ja auch logisch: Hexenstieg -> Harz -> Wandern. Macht in diesen Tagen ja irgendwie jeder, ist also voll „trendy“. Wissen wir, deswegen machen wir es ja auch. Aber nicht nur weil wir unbedingt „trendy“ sein wollen, sondern weil wir wissen, dass wir voll „trendy“ sind, und das schon seit frühester Kindheit. Ist schwer zu verstehen, ist aber so. Vor allen wenn man weiß, an wie vielen Sonntagen wir damals mit unseren Eltern gewandert sind, klingt es schon wieder plausibel. Wir machen also nix anderes als die totale Uncoolness von früher, für uns in totale Coolness von heute zu verwandeln. In den 70er Jahren, also in unseren Kindheitsjahren, hieß es auch nicht unbedingt „wandern“, ok… das gab es sicher auch, aber es hieß eigentlich eher: „spazieren gehen“ oder „schlendern“. Heute sprechen wir von hikking, nordic walking, trekking oder pilgern. Außerdem liegt die Coolness bzw. Uncoolness vielleicht auch noch darin begründet, dass wir mittlerweile selbst Eltern sind. Wer weiß? Wir huldigen somit also mit dieser geplanten Wanderung in einer bestimmten Weise und vielleicht auch unbewusst unsere Eltern. Wir, und damit spreche ich hoffentlich auch für Axel, danken Ihnen für ALLES! (und das meine ich ausnahmsweise mal Ernst.) Wir danken dafür, dass sie uns geboren und zu einigermaßen anständigen Kerlen, Trunk– und Raufbolden erzogen haben. Wir danken für Spannung, Spaß, Spiel und Schokolade. Für Liebe, Land und Leute… Ich danke ganz speziell für die bereits von meiner großen Schwester Marion eingetragenen dunkelblauen Stoffstrumpfhosen, die mir in den Wintermonaten sicherlich die eine oder andere Blasen- oder Nierenentzündung erspart haben. Ich persönlich danke meinen Eltern noch für:
  • die kleinen Indianer und Cowboy Figuren aus Kunststoff (die Farben vermutlich Blei belastet)
  • das grün gestrichene Western Fort aus Holz (danke Papa, sehr authentisch!)
  • die Kostümierungen an Kinderkarneval meistens als Indianer… Cowboy war uncool und passte auch nicht so zu meinem Gesichtsteint
  • sowie sämtliche Winnetou und “Western von gestern“ Folgen die ich im Fernsehen schauen dürfte…
(spätestens jetzt sollte sich dem Leser der Bogen zum geplanten Etappenziel Pullman City spannen und erschließen) …natürlich danken wir Ihnen auch dafür, dass sie uns lesen und schreiben beigebracht haben, sonst wäre dieser gesamte geistige Dünnschiss hier wohl kaum möglich.

Wir, das sind übrigens: Axel Janeczko, alias Zorro Zolokowsky vom Lake Salt Lattice, 39 Jahre alt, Trapper, Konföderierter, Durchgeknallter alles in Personalunion… und
Elmar Sander, alias Williams „Eytsh“ Bunny, aus Pueblo Gödringo, 36 Jahre alt, Fallensteller + Konföderierter ebenfalls durchgeknallt…
(die Steckbriefe, inklusive aller Pseudonymen und verwendeten „Alias-Namen“ werden im Laufe der Reise vervollständigt oder mal wieder komplett umgestrickt bzw. in Frage gestellt.)

Die Idee zu dieser Western-Wallfahrt nach Pullman (ich nenne es auch gerne: „Eine Pilgerreise zu den heiligen Kindertagen“) kam uns auf unserer letzten gemeinsamen Wanderung von Buntenbock nach Torfhaus, der 2. Etappe des Hexenstiegs, 23km entlang des Harzer Wasserregals an Ostersamstag, aber das ist eine andere Geschichte. Warum nicht mal nach Pullman wandern, fragten wir uns. Da wollten wir immer schon mal hin. Der Osten ist doch auch schön. „Dänemark, Rumänien, Schweden, Skandinavien, Rumänien das sind alles schöne Länder.“
Eine Westernstadt im Osten… klingt abstrus, aber genau das zieht uns magisch an. Sei es drum, hier sind wir nun…bzw. hier ist unser Plan:
Wir wandern, wiederum entlang des Hexenstieges, in drei Tagen von Torfhaus (die Endstation unserer letzten Wanderung), über den Brocken, Drei Annen Hohne, Königshütte, Rappbodetalsperre bis nach Pullman City in Hasselfelde und dann weiter über Treseburg nach Thale. Die Wanderung soll am Freitag den 28.September ab Torfhaus/Harz starten und, wie schon gesagt, drei Tagesetappen später, am Sonntag den 30. September in Thale/Ostharz/ehemals DDR enden. Geplant sind zwei Übernachtungen auf der gesamten Wegstrecke.
Vielleicht ist es zunächst noch einmal nötig, dem gemeinen Leser zu eröffnen und zu erörtern, welcher Sinn oder Unsinn hinter unserer Reise steckt. Des Weiteren sollte man eventuell kurz darüber sprechen welchen Zweck überhaupt dieses Tagebuch hat. Die Antwort ist relativ einfach: Gar keinen!
Das ist also das Ziel: Wir machen eigentlich etwas völlig sinnloses. Keiner, außer uns, wird je so verrückt sein nach Pullman City zu wandern und ein Reisetagebuch darüber zu schreiben. Schon gar kein Pre-Tagebuch. Kein Mensch, außer uns, wird dieses Buch je lesen. Macht aber nix, solange es uns Spaß macht etwas herrlich Nutzloses zu tun, tun wir es! Also Axel, viel Spaß beim lesen. Noch was: geistige und körperliche Grundvoraussetzungen für diese Tour sind übrigens und unter anderem: Klaus Kinski-Charakter (irre), Familienvater, fremd gesteuert, einen Wanderrucksack, Flachmann und Isolation-Map, Südstaatenmütze nicht zu vergessen (hierzu später auch mehr)…